03. August 2026
Von Stein zu Ton: Wie KI die Produktentwicklung verändert
KI macht uns nicht nur schneller. Sie verändert das Material, aus dem wir Software bauen.
Artikelserie · Teil 1
Die Grundlagen von KI, leicht erklärt
Von der Black Box über Agenten bis zum eigenen Workflow: die Grundlagen von KI, ohne Fachchinesisch.
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Die alte Welt war aus Stein
Früher war das Bauen von Software wie das mühsame Meißeln in harten Stein. Du musstest alles im Voraus planen. Detaillierte Skizzen zeichnen, endlos über jedes Detail diskutieren. Wenn der erste Prototyp stand, war das Budget meistens schon zur Hälfte weg. Und wenn sich das Ergebnis dann nicht richtig anfühlte, war jede Änderung teuer und extrem schmerzhaft.
Wir bauen keine Technik um der Technik willen. Ein gutes Produkt muss zwei Dinge leisten: Es löst ein echtes Problem, und es fühlt sich für den Nutzer richtig gut an.
Genau hier verändert sich gerade alles. Mit modernen KI-Modellen wird das Bauen von Software plötzlich wie das Arbeiten mit nassem Ton. Du kannst eine Idee in Minuten formen, ausprobieren, verwerfen und neu kneten, bis es endlich passt. Du denkst nicht mehr nur über die Form nach, sondern spürst sie sofort in deinen Händen.
Das Gefühl entscheidet

Der wichtigste Fortschritt ist nicht, dass der Code schneller entsteht. Der entscheidende Hebel ist das Sichtbarmachen, weil es das abstrakte Reden durch echtes Erleben ersetzt. Du kannst über eine Idee stundenlang reden, aber wirklich verstehen wirst du sie erst, wenn du sie siehst und benutzt. KI verkürzt die Zeit zwischen der ersten Idee und dem Gefühl, das Produkt in der Hand zu halten, extrem.
Das Prototyping wird dadurch zum Werkzeug für völlig neue Einsichten. Am Anfang hast du oft nur eine grobe Vorstellung, die sich erst beim Benutzen erweitert. Weil der Ton so weich ist, siehst du sofort, ob die Idee trägt.
Stabilität durch Umsatz
Umsatz ist am Ende nicht nur eine Zahl, sondern Stabilität. Das beruhigt. Die erste Version deines Produkts ist nicht dann fertig, wenn alles abgehakt ist, sondern wenn der erste Kunde dafür bezahlt.
Irgendwann stößt dieser nasse Ton an seine Grenzen. Sobald die Form stimmt und das Produkt sich richtig anfühlt, müssen wir die weiche Masse wieder in ein festes Fundament verwandeln. Wenn du selbst keinen Code schreibst und keine Architektur planst, hast du an dieser Stelle schon das Wichtige mitgenommen.
Der Kipppunkt
In unseren Projekten merken wir den Moment für den Umbau meistens an zwei Dingen. Entweder braucht der KI-Agent plötzlich viel zu lange für einfache Änderungen, oder wir finden visuelle Bugs, die sich nicht mehr sauber beheben lassen. Der Code ist schlicht zu weich geworden. Alles hängt zusammen, jede kleine Änderung reißt sofort eine andere Stelle ein.
Das ist das klare Signal für das Refactoring. In der frühen Ton-Phase produziert Vibe-Coding oft riesige, unstrukturierte Dateien, in denen der gesamte Zustand, das Layout und die API-Aufrufe in einer einzigen, völlig überladenen Komponente liegen.
<!-- Der nasse Ton: Alles in einer Datei -->
<script setup>
const data = ref(null)
const error = ref(null)
async function load() {
try {
data.value = await $fetch('/api/very-long-and-messy-endpoint')
} catch (e) {
error.value = e
}
}
</script>
Das Ziel der frühen Phase war es herauszufinden, wie das Produkt überhaupt funktionieren muss. Ein schnelles Proof of Concept schlägt hier jede saubere Architektur, aber nasser Ton trägt auf Dauer eben kein Dach.
Leitplanken für den Agenten

Wir ziehen eine tragfähige Architektur nach, damit technische Schulden sichtbar werden und wir sie abbauen können. Aus dem schnellen Experiment wird ein belastbares Produkt mit sauberen Schnittstellen und einer echten Datenbank.
Frameworks und bestehende Bausteine sind hier dein bester Freund. Sie geben der KI Struktur, weil sie etablierte Muster erzwingen. Wenn du auf ein System wie Nuxt oder Symfony setzt, hat das Modell klare Leitplanken und erfindet das Rad nicht neu, sondern baut auf Mustern auf, die bereits funktionieren.
// Der Stein: Typisiert und extrahiert
export function useProductData() {
const { data, error } = useFetch<ProductResponse>('/api/products', {
key: 'product-list',
default: () => []
})
if (error.value) {
console.error('Laden fehlgeschlagen', error.value)
}
return { data }
}
Die menschliche Frage
Die reine Umsetzung wird durch KI weniger besonders, weil fast jeder schneller bauen kann. Das Treffen des richtigen Nervs wird dafür umso wichtiger. Die entscheidende Frage bleibt am Ende zutiefst menschlich: Was soll das Produkt überhaupt sein?